Frauenherzzentrum Bern

Die Universitätsklinik für Kardiologie des Inselspitals legt einen speziellen Fokus auf die frauenspezifischen Risikofaktoren, die Prävention und auf die Behandlung von Herzerkrankungen von Frauen. Wir haben uns auf die unterschiedlichen Anforderungen von Frauen- und Männerherzen an das Gesundheitssystem spezialisiert und geben den neusten Forschungsstand direkt an unsere Patientinnen weiter. In enger Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken für Gynäkologie, Endokrinologie und Rheumatologie legen wir einen individuellen Behandlungspfad für unsere Patientinnen fest, um optimale Behandlungsziele zu erreichen.

Geschlechtersensible Medizin

Die geschlechtersensible Medizin oder Gendermedizin (Gender = Geschlecht) beschäftigt sich mit den bisher vernachlässigten Unterschieden zwischen Männern und Frauen bei der Entstehung, dem Verlauf sowie der Behandlung von Erkrankungen Link (saez.ch). Obwohl es die Gendermedizin bereits seit den 1980er Jahren gibt und im Bereich der Herz-Kreislaufmedizin bereits im Jahr 1991 mit dem sogenannten ‘Yentl Syndrom’ auf die Benachteiligung von Patientinnen aufmerksam gemacht wurde, besteht immer noch viel Nachholbedarf – sowohl bei der Entwicklung von Medikamenten und Therapien speziell für Frauen wie auch in der Wissensvermittlung von Krankheitsbildern und diagnostischen Besonderheiten. Die Gendermedizin erforscht neben den rein biologischen Unterschieden zwischen Mann und Frau (Sexualhormone, Körperbau und Stoffwechsel) auch Einflüsse wie den soziokulturellen Hintergrund (z. B. Zugang zum Gesundheitswesen), Lebensstil und soziale Situation. In der Schweiz gewinnt die Gendermedizin zunehmend an Bedeutung. Auch die Politik hat sowohl den Stellenwert wie auch den Nachholbedarf des Themas erkannt: Link (srf.ch)

 

Frauenherzen schlagen anders

Frauenherzen schlagen anders. Sie unterscheiden sich beim Erkrankungsrisiko, weisen andere Symptome und Krankheitsverläufe  auf und sprechen unterschiedlich auf Therapien und Medikamente an. Frauen sind in der Regel kleiner und leichter als Männer, das gilt dementsprechend auch für ihr Herz. Deshalb pumpen ihre Herzen eine etwas geringere Blutmenge als die der Männer, dafür schlägt das Frauenherz etwas schneller. Zudem sind die Herzkranzgefässe bei Frauen kleiner und feiner als bei Männern. Sie verlaufen oft geschlängelt, neigen auch häufiger zu Rissen oder Verkrampfungen. Aufgrund ihrer Grösse verengen sich die kleineren Gefässe der Frau bereits bei geringeren Plaque-Ablagerungen und können durch kleinere Gerinnsel komplett verschliessen. Im Alter nehmen die Geschlechterunterschiede nochmals deutlich zu: Während die Pumpfunktion beim Männerherz mit dem Alter häufiger nachlässt, schrumpfen die Frauenherzen und werden etwas steifer. Auch die Zusammensetzung des Blutes unterscheidet sich: Frauen haben fast ein Viertel weniger Sauerstofftransporter (Hämoglobin) im Blut als Männer, daher ist die Sauerstoffversorgung der Organe bei Frauen etwas niedriger als bei Männern mit vergleichbarem Gesundheitszustand.

 

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in den westlichen Industriestaaten die häufigste Todesursache. Bei Männern sind die herzbedingten Todesfälle seit den 80er Jahren stetig gesunken – bei Frauen hingegen sind sie gleich geblieben und, bei jüngeren Frauen, sogar angestiegen. Aktuell sterben derzeit deshalb mehr Frauen als Männer an den Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mehr