Aktuelles aus der Forschung

Neue Modelle für eine bessere präklinische Testung zur Vermeidung gefährlicher medikamenten-induzierter Rhythmusstörungen

Eine der häufigsten und gefürchtetsten Nebenwirkung von Medikamenten, sind Medikamenten-induzierte potenziell tödliche Rhythmusstörungen. Die Medikamente können eine Blockade verschiedener Ionenkanäle des Herzens verursachen, die elektrische Funktion beeinträchtigen und somit zu Rhythmusstörungen führen. Diese treten insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit kardialen Vorerkrankungen auf, da diese Erkrankungen durch so genanntes "Remodeling" die elektrische Funktion des Herzens beeinträchtigen.

Bisher werden jedoch in der präklinischen Testung von neuen Medikamenten lediglich gesunde Zell-Systeme und Tiermodelle verwendet, um das mögliche Risiko für Rhythmusstörungen abzuschätzen. Damit werden leider eine Vielzahl von Medikamenten mit möglichen Rhythmus-Nebenwirkungen erst spät erkannt.

Prof. Katja Odening (Professorin für Translationale Kardiologie im Inselspital und an der Universität Bern) hat mit Kollegen/-innen der Universitätsklinik Freiburg (Deutschland) und der Universität Szeged (Ungarn) einen neuen Ansatz gewählt und mit exklusiven transgenen Kaninchenmodellen, die eine bestimmte genetische Herzrhythmuserkrankung aufweisen (so-genanntes Long-QT Syndrom), das pro-arrhythmische Potenzial von verschiedenen Medikamenten getestet. Diese Modelle und ihre Herzen sind besonders empfindlich gegenüber Medikamenten, die verschiedene kardiale Ionenkanäle blockieren. Mit Hilfe dieser LQTS Modelle konnten Prof. Odening und ihr Team - im Gegensatz zu den normalerweise genutzten gesunden Modellen - erstmalig nicht nur "indirekte" Marker für das erhöhte Risiko für Rhythmusstörungen sondern auch direkt das Entstehen von Rhythmusstörungen beobachten.  

Diese Arbeit wurde vor kurzem in der Fachzeitschrift „British Journal of Pharmacology“ veröffentlicht (Transgenic LQT2, LQT5 and LQT2-5 rabbit models with decreased repolarisation reserve for prediction of drug-induced ventricular arrhythmias. Hornyik T, Castiglione A, Franke G, Perez-Feliz S, Major P, Hiripi L, Koren G, Bősze Z, Varró A, Zehender M, Brunner M, Bode C, Baczkó I, Odening KE. Br J Pharmacol. 2020 May 20. doi: 10.1111/bph.15098. Online ahead of print. PMID: 32436214). 

Abbildung: A Duration of arrhythmias in percentage of perfusion time