Höhenmedizinsprechstunde


Wer an einer Höhenkrankheit erkrankte oder einen Höhenaufenthalt plant, kann sich seit 2013 im Inselspital höhenmedizinisch beraten lassen.

Die höhenmedizinische Sprechstunde dient Sportlern und Patienten, die bei einem früheren Höhenaufenthalt an einer akuten Höhenkrankheit litten, zur ambulanten Abklärung und richtet sich auch an Kranke und Gesunde, die einen Höhenaufenthalt planen.

Welche Formen der Höhenkrankheit gibt es?


Es werden 3 verschiedene Formen der Höhenkrankheit unterschieden:

Akute Bergkrankheit = Acute mountain sickness = AMS
Dies ist eine in der Regel gutartige Reaktion des Körpers auf einen schnellen Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut. Die Beschwerden sind meist Kopfschmerzen einige Stunden (ab 4-6 Stunden) nach Ankunft über 2500 m, zudem können Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen und Schlafstörungen auftreten. Typischerweise verschwinden diese Beschwerden spontan nach 24-48 Stunden spontan auch ohne Behandlung. Das Auftreten der akuten Bergkrankheit ist stark abhängig von der Höhe und von der Geschwindigkeit des Aufstiegs. Nach Aufstieg auf eine Höhe von 3000 m tritt diese zum Beispiel bei 15% der Personen auf, in 4500 m Höhe bei 50% der Bergsteiger.

Höhenhirnödem = High altitude cerebral edema = HACE
Beim Höhenhirnödem kommt es im Gehirn zu einer Zunahme von Flüssigkeit im Hirngewebe und damit zu einem Anstieg des Hirndrucks. Hierdurch treten zusätzlich zu den Beschwerden wie bei der akuten Bergkrankheit nach einer Latenz von etwa 36-72 Stunden zunehmende Gangunsicherheit, Halluzinationen und Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit auf. Unbehandelt führt diese Form der Bergkrankheit häufig zum Tod.

Höhenlungenödem = High altitude pulmonary edema = HAPE
Hierbei handelt es sich um eine Ansammlung von Flüssigkeit im Lungengewebe. Die Beschwerden treten typischerweise mit einer Latenz von 36-72 Stunden auf. Es kommt zu Leistungseinschränkung und Atemnot bei bereits kleineren Anstrengungen. Zusätzlich besteht oft Husten, gelegentlich Fieber, Zyanose (Blauverfärbung der Haut), schneller Puls und manchmal Schmerzen beim Atmen.

Wie entstehen die verschiedenen Formen der Höhenkrankheit?


Akute Bergkrankheit und Höhenhirnödem
Die genaue Entstehung der akuten Bergkrankheit und des Höhenhirnödems ist weiterhin nicht völlig geklärt. Möglicherweise spielen überschiessende Anpassungsmechanismen an die Höhe (Sympathikusaktivierung und Gefässerweiterung im Gehirn) eine Rolle. Der hierdurch erhöhte Blutfluss im Gehirn und eine Störung der Blut-Hirn-Schranke führen zu einer Hirnschwellung. Je nach Ausprägung und Dauer dieser Störungen tritt nur eine akute Bergkrankheit oder dann das Vollbild des Höhenhirnödems auf.

Höhenlungenödem
Der verminderte Sauerstoffgehalt im Blut bewirkt durch verschiedene Mechanismen einen Anstieg des Blutdrucks im Lungenkreislauf (u.a. erhöhter Sympathikotonus, Ungleichgewicht von gefässregulierenden Substanzen). Zudem besteht bei veranlagten Personen eine angeborene Veränderung der Transportsysteme für Wasser und Blutsalze (Natrium) durch die Gefässwände der Lungenstrombahn. Diese Transportsysteme werden durch den Höhenaufenthalt und Umwelteinflüsse wie Kälte zusätzlich beeinflusst, und bewirken, dass Flüssigkeit im Lungengewebe nur unzureichend resorbiert werden kann. Aufgrund eines Ungleichgewichts zwischen Flüssigkeitsablagerungen durch den erhöhten Lungendruck einerseits und deren Abtransport andererseits kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung im Lungengewebe – zum Höhenlungenödem.

Wie diagnostiziert man eine Höhenkrankheit?


Die Diagnose der verschiedenen Formen der Höhenkrankheit ist meist anhand der Beschwerden des Betroffenen in der Akutsituation möglich.

Eine Veranlagung zur Entwicklung der Höhenkrankheiten scheint bei einigen Menschen vorzuliegen. Zudem tritt bei bereits durchgemachter Höhenkrankheit häufiger ein Rezidiv bei erneutem Höhenaufenthalt auf.

In den letzten Jahren stieg das Verständnis bezüglich der Entstehung der höhenbedingten Erkrankungen. Dies ermöglicht nun zunehmend, anhand gezielter Untersuchungen, Personen mit der Neigung zur Entwicklung einer Form der Höhenkrankheit zu erfassen. Hierdurch kann eine optimale Prävention und bei Auftreten von Symptomen eine rasche und gezielte Therapie eingeleitet werden.

In gezielten medizinischen Untersuchungen mit Simulation eines Höhenaufenthaltes (Hypoxietest) kann die individuelle Reaktion des einzelnen Organismus auf die Höhe festgestellt werden. Anhand der Veränderungen des Kreislaufs können Rückschlüsse auf ein mögliches Auftreten einer Form der Höhenkrankheit, vor allem das Auftreten eines Höhenlungenödems gezogen werden. Diese Untersuchungen werden u.a. in der Höhenmedizinsprechstunde des Inselspitals durchgeführt und machen vor allem dann Sinn, wenn bereits Beschwerden bei einem Höhenaufenthalt auftraten.

Hypoxietest
Durch Simulation eines Höhenaufenthaltes mit einem sauerstoffarmen Gasgemisch kann die Reaktion des Körpers auf einen Sauerstoffmangel in grosser Höhe getestet werden. Verschiedene Messdaten geben Auskunft über den Sauerstoffgehalt im Blut, den arteriellen Druck im Lungenkreislauf sowie die Reaktion des Herzens und des Gesamtkreislaufs. Hieraus können Rückschlüsse auf die Anpassungen und Verträglichkeit eines Höhenaufenthalts beim Probanden gezogen werden. Anhand der Resultate können zudem spezifische Therapieempfehlungen abgegeben werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Oberstes Ziel ist die Verhinderung des Auftretens einer Form der Höhenkrankheit. Demnach ist die Prävention essentiell. Dies gilt erst recht nach bereits durchgemachter Höhenkrankheit. Generell gelten folgende Präventionsmassnahmen:

  • Langsamer Aufstieg: Schlafhöhe auf 2500 m nicht mehr als 300-400m/Tag steigern.
  • Zwischenhalte und Zeit zur Akklimatisation. Alle 3-4 Tage oder nach 1000 Metern Aufstieg einen Ruhetag einlegen.
  • Genügende Flüssigkeitszufuhr (erhöhte Flüssigkeitsverluste in der Höhe durch verstärkte Atmung und trockene Luft).
  • Vermeidung von maximaler Anstrengung während der Akklimatisation.
  • Medikamentöse Präventionsmassnahmen spielen vor allem dann eine Rolle, wenn jemand bereits eine Form der Höhenkrankheit durchgemacht hat oder obgenannte Massnahmen nicht durchführbar sind. Eine medikamentöse Prophylaxe kann aber ein gefährliches Gefühl falscher Sicherheit vermitteln.


Bei der Behandlung der akuten Bergkrankheit sind in der Regel ein Ruhetag und eventuell die Einnahme von Schmerzmitteln oder Antiemetika ausreichend. Sollte es hierdurch nicht zu einer Verbesserung der Beschwerden kommen, ist ein Abstieg in tiefere Lagen unabdingbar.

Bei Verschlimmerung der Beschwerden der akuten Bergkrankheit und/oder Auftreten von Symptomen die auf ein Höhenlungenödem oder ein Höhenhirnödem hinweisen gilt als oberster Grundsatz den Aufstieg nicht fortzusetzen und sofort abzusteigen. Falls vorhanden kann dem Erkrankten Sauerstoff verabreicht werden. Ist ein Abstieg nicht sofort möglich kann der Überdrucksack Anwendung finden (Simulation einer geringeren Höhe). Zudem gibt es verschiedene medikamentöse Therapieoptionen welche aber nur in Kombination mit dem Abtransport in tiefere Höhenlagen nachhaltig wirksam sind. Zu den Medikamenten die eingesetzt werden zählen unter anderem Acetazolamid, Nifedipin und Dexamethason. Abgesehen von Notfallsituationen empfiehlt sich bei der Einnahme dieser Medikamente eine vorgängige Beratung bei einer Fachperson.

Ansprechpartner

  • PD Dr. Emrush Rexhaj, Oberarzt und Leiter Hypertonie und Höhenmedizin